Seit bald sechs Jahren bin ich Espressotrinker und habe mir damals im Espressoladen Stuttgart (Empfehlung!) eine Quickmill 3035 Pegaso gekauft. Für die Maschine spricht
der für Siebträgermaschinen moderate Preis (seit 2015 unverändert ca. 800 Euro online bzw. 900 Euro im Geschäft) ,
die kompakte Bauform mit eingebauter Mühle und
die schnelle Aufheizzeit durch den
seit Jahrzehnten bewährten, pflegeleichten Quickmill-Thermoblock.
Natürlich gibt es gegenüber größeren und/oder teureren Geräten auch Schwächen. Zwei davon habe ich vor anderthalb Jahren mit kleinen Veränderungen etwas abgeschwächt. Und weil heute die „erste Inspektion“ anstand, kann ich sie endlich einmal dokumentieren:
Die Quickmill 3035 „Pegaso“ besitzt keinen Kessel. Das Wasser fließt bei der Espresso-Zubereitung durch einen vorher aufgeheizten Thermoblock aus Aluminium, wobei es sich erwärmt. Dabei gibt es zwei Schwachpunkte:
Wenn das Wasser schnell durch den Thermoblock schießt, hat es wenig Zeit zur Erwärmung und tritt recht kalt aus. Wenn es sehr langsam durch den Thermoblock fließt, erwärmt es sich hingegen nahezu mit der Block-Temperatur aus. Das ist prinzipbedingt und lässt sich nicht verhindern.
Die Heizung des Thermoblocks wird über einen Bimetall-Schalter ein- und ausgeschaltet. Das ist auch über das Klicken zu hören. Die Temperatur des Thermoblocks schwankt dabei stark um bis zu 20 Grad. Das macht es schwierig, gleichbleibend gute Espressi zu erzeugen. Aber zumindest hier gibt es Abhilfe: den PID-Regler.
Der Name PID ergibt sich aus den drei Bestandteilen des Regler-Ergebnis. Der Proportional-Anteil ergibt sich schlicht durch die Betrachtung des Ist-Zustands: Je heißer die Temperatur, desto weniger wird geheizt. Der Derivativ-Anteil schaut auf den aktuellen Trend: Je stärker die Temperatur steigt, desto mehr wird die Heizung reduziert. Und der Integral-Anteil wertet die Vergangenheit aus: Je länger und stärker die Temperatur unter dem Zielwert liegt, desto mehr wird geheizt. Und jeweils umgekehrt.
Damit der PID-Regler funktioniert, benötigt er einen Temperatursensor sowie die Möglichkeit, die Heizung feiner zu regeln. Den von mir verwendeten Regler Inkbird ITC-100 gibt es im Netz häufig als Set mit Temperaturfühler und Solid State Relais (SSR). Letzteres kann die Heizung sehr oft ein- und ausschalten, macht dabei keine Geräusche und verschleißt nicht.
Außerdem werden einige Kleinteile wie Verbindungsklemmen, Isolierband (nur als Scheuerschutz) und 230V-geeignete Kabel sowie ein Multimeter benötigt. Als Gehäuse habe ich ein 50×50 mm Vierkant-Profil aus Edelstahl verwendet.
Achtung, Umgang mit Netzspannung ist lebensgefährlich. Führt diesen Umbau nur durch, wenn ihr entsprechendes Fachwissen habt. Auch ich habe mir dabei von einem Fachmann auf die Finger schauen lassen. Denkt daran, dass es nicht nur um eure Sicherheit während des Umbaus geht. Ihr wollt sicherlich auch bei der Inbetriebnahme keinen Kurzschluss, Brand oder sonstigen Schaden provozieren.
Die Schaltseite des SSR wird nach Anleitung mit dem Ausgang des PID-Reglers verbunden.
An der Leistungsseite des SSR werden die Kabel angeschlossen, die im Ursprungszustand am Bimetall-Schalter im Thermoblock angebracht sind. Davon gibt es zwei: Vom Kippschalter für den Milchschaum ausgehend lässt sich derjenige finden, der für die Regelung der hohen Temperatur zuständig ist. Für diesen Umbau wird dann der andere benötigt..
Die Stromversorgung des PID-Reglers habe ich vom Hauptschalter abgezweigt, sodass er mit der Maschine eingeschaltet wird.
Der Temperaturfühler wird ebenfalls nach Anleitung mit dem PID verbunden und dann am, besser im Thermoblock befestigt.
Wichtig: Wenn sich der Fühler vom Thermoblock löst und die „Lufttemperatur“ misst, wird die Heizung immer weiter angesteuert, bis die Schmelzsicherung im Thermoblock auslöst. Eine solide Befestigung ist daher sehr, sehr wichtig.
Ich habe das mit Lochband gelöst. Für einen besseren Wärmeübergang habe ich das Loch im Thermoblock, in dem der Temperaturfühler steckt, vorher mit Wärmeleitpaste aus dem Computerzubehör gefüllt.
Das schematische Schaltbild mit dem PID-Regler und dem Solid State Relais
Im Bild unten ist der Zusammenbau zu sehen. Das SSR ist von unten gegen das Oberteil des Gehäuses geschraubt. Die Leitungen zum PID-sind mit Isolierband zusammengebunden und nach oben aus dem Gehäuse herausgeführt. Der eine Bimetall-Schalter im Thermoblock ist nicht mehr angeschlossen.
Das Innere der Maschine nach dem Einbau des Temperaturfühlers und der Befestigung des SSR
Auf dem Gehäuse „thront“ nun der PID-Regler. Ich habe ihn nach einigen Versuchen auf die folgenden Werte eingestellt (Änderungen gegenüber Werkseinstellungen in Fettschrift):
HIAL 9999 LoAL -1999 dHAL 9999 dLAL 9999 df 0.3 CtrL 3 M50 1500 P 60 t 40
CtI 4 Sn 0 dIP 1 dIL 0 dIH 1000 SC 0.0 oP1 0 oPL 0 oPH 100
ALP 0 CF 2 Addr 1 bAud 9600 dL 0 run 2 Loc 40 EP… alle „none“
Damit heizt die Maschine schnell und ohne Überschwinger auf. Die Solltemperatur wird im Leerlauf konstant eingehalten. Und bei Kaffeebezug reagiert die Maschine schnell mit verstärkter Heizung.
Die Parameter sind in der englischsprachigen Bedienungsanleitung etwas missverständlich bezeichnet/übersetzt. P für die P-Verstärkung ist dabei noch recht eindeutig, obwohl die Anleitung von „Differential“ spricht. M50 als „Integral Time“ entspricht im deutschen Sprachraum der Nachstellzeit und somit der Einstellung des I-Anteils. Die „Hysteresis time“ t ist die Vorhaltzeit.
Ansicht der Maschine mit PID-Regler auf dem Oberteil
Noch besser wird der Espresso aus der Quickmill übrigens, wenn ihr auch ein Expansionsventil nachrüstet. Hier erfahrt ihr, wie das geht!
Nachtrag: Zwei Bilder zum Sensor. Das M6-Außengewinde ließ sich bei meinem Exemplar demontieren. So passte er in die M4-Bohrung im Thermoblock. Die Fixierung erfolgte dann mit Lochband. Das Bohrung mit dem Sensor darin wurde mit Wärmeleitpaste aus dem Computer-Handel verfüllt.
Die Fachwelt ist sich nach zahlreichen Untersuchungen einig: Der perfekte Espresso entsteht bei 9 bar. Weil die in den Maschinen verwendeten Pumpen gerade bei geringsten Fördermengen deutlich höhere Drücke erzeugen können, sind in nahezu allen Siebträgermaschinen Ventile verbaut, die bei Überschreitung einen Bypass öffnen und somit den Druck auf das Kaffeemehl nach oben begrenzen. Mittlerweile sind auch einige Thermoblock-Geräte von Quickmill mit diesem Ventil ausgestattet. Bei vielen Neugeräten und nahezu dem gesamten Bestand fehlt es jedoch.
Bei der Quickmill 3035, die mittlerweile auch mit Ventil erhältlich ist, gibt es dafür jedenfalls ausreichend Platz. Ermutigt durch einige Erfahrungsberichte in Foren habe ich Ende 2019 ein Expansionsventil nachgerüstet. Auch für mich als begeisterten, aber nicht besonders begabten Schrauber, war der Umbau leicht zu bewältigen. Die benötigten Teile sind alle u.A. bei espressoxxl.de erhältlich (der Gewindedichtfaden jedoch leider nur in einer riesigen Menge):
Es sollte eigentlich selbstständlich sein, aber dennoch der Hinweis: Den Umbau nur bei kalter Maschine mit gezogenem Netzstecker durchführen! Dann gibt es weder tödliche Stromschläge noch schmerzhafte Verbrennungen (sondern höchstens nasse Füße bei der Inbetriebnahme). Bei Unsicherheit jemand mit Erfahrung dazunehmen.
Im Bild oben ist die Pumpe in rot gut zu erkennen. Links von der Pumpe, an ihrem Austritt sitzt der Pulsor, der in den Maschinen von Quickmill den die Druckschwingungen reduziert.
Als erstes wird das T-Stück verbaut.
Es dient dazu, das vom Expansionsventil abgelassene Wasser wieder in den Ansaugschlauch zurückzuleiten. Dazu wird der Schlauch auf der „rechten“ Ansaugseite der Pumpe durchgeschnitten und beide Enden auf das T-Stück gesetzt. Als Angsthase habe ich die Schläuche zusätzlich mit Kabelbindern gesichert, was aber vermutlich nicht benötigt wird.
Dann wird der Schlauch am Austritt des Pulsors ab- und das Expansionsventil angeschraubt.
Dabei kommt auch bereits etwas Gewindedichtfaden zum Einsatz. Um das Ventil in den Pulsor austritt schrauben zu können, musste ich die Pumpe und den Pulsor aus ihrer Halterung lösen.
Auf den Ventilaustritt ohne Gewinde wird nun ein Stück Silikonschlauch geschoben und mit dem T-Stück verbunden. Das Zwischenergebnis ist unten zu sehen (den Knick im Ansaugschlauch bei der Pumpe habe ich später noch geradegezogen):
Danach wird der vom Pulsor abgeschraubte Schlauch mit dem offenen Ende des Expansionsventil verbunden.
Dabei wird die Gewindemuffe als Zwischenstück benötigt. Auch hier sollten jeweils ca. zwei Gewindegänge Dichtfaden verwendet werden, damit auch bei 10 bar kein Wasser austritt.
Der Umbau ist damit bereits abgeschlossen.
Der letzte Schritt ist die Einstellung des korrekten Drucks.
Dazu einfach mit dem Einzelsieb einen Espresso beziehen und den maximalen Druck am Manometer ansehen. Dieser sollte nun bereits geringer sein als die 15 bar, die an meiner Maschine vor dem Einbau des Ventils oft auftraten. Liegt er trotz vollem Sieb und kräftig getamperten Puck deutlich unter 9 bar, muss das Ende des Ventils, an dem der Schlauch aufgeschoben ist hineingedreht werden. Liegt der Druck deutlich höher, wird das Ende entsprechend etwas herausgeschraubt.
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